Kalibrierintervalle – Wie oft sollten Sie kalibrieren?
Empfohlene Kalibrierzyklen nach Gerätetyp, Einflussfaktoren für die richtige Intervallfestlegung und relevante Normen – praxisnah erklärt.
Kalibrierung beauftragenWarum regelmäßig kalibrieren?
Das richtige Kalibrierintervall entscheidet darüber, ob Ihre Messgeräte zuverlässige Ergebnisse liefern. Denn jedes Messgerät unterliegt einer natürlichen Alterung: Mechanische Bauteile verschleißen, elektronische Komponenten driften, und Umgebungseinflüsse hinterlassen Spuren. Die Folge – Messwerte weichen schleichend vom tatsächlichen Wert ab, oft ohne dass es dem Anwender auffällt.
Regelmäßige Kalibrierung stellt sicher, dass Ihre Messgeräte innerhalb der geforderten Toleranzen arbeiten. Das schützt vor fehlerhaften Produkten, Reklamationen und im schlimmsten Fall vor Haftungsansprüchen. In vielen Branchen ist eine nachweisliche Kalibrierung zudem Voraussetzung für Audits und Zertifizierungen.
Das richtige Kalibrierintervall ist dabei ein Kompromiss: Zu häufig kostet unnötig Geld und Ausfallzeit, zu selten gefährdet die Messqualität. Die folgenden Empfehlungen helfen Ihnen, das optimale Intervall für Ihre Geräte zu finden.
Empfohlene Kalibrierintervalle
Richtwerte nach Gerätetyp – als Ausgangspunkt für Ihre individuelle Festlegung
Elektrische Messgeräte
Multimeter, Oszilloskope, Stromzangen, Isolationsmessgeräte
Bei täglichem Einsatz auf Baustellen ggf. 6 Monate
Drehmomentschlüssel
Drehmomentschlüssel, Drehmomentprüfgeräte
Gemäß DIN EN ISO 6789 – das zuerst Erreichte gilt
Längenmesstechnik
Messschieber, Messschrauben, Endmaße, Messuhren
Bei geringer Nutzung in kontrollierter Umgebung bis 24 Monate. Details zu Prüfverfahren und Normen: siehe Längenkalibrierung.
Druckmesstechnik
Manometer, Drucksensoren, Transmitter
Prozessdruckmessgeräte in kritischen Anlagen ggf. 6 Monate
Temperaturmesstechnik
Thermometer, IR-Thermometer, Thermoelemente
Lebensmittel- und Pharmabranche: häufig 6 Monate
Waagen
Analysenwaagen, Präzisionswaagen, Industriewaagen
Eichpflichtige Waagen unterliegen zusätzlich dem Eichgesetz
Wichtig: Diese Intervalle sind Richtwerte. Das tatsächliche Intervall sollte individuell festgelegt werden – basierend auf Nutzung, Umgebung und Anforderungen. Starten Sie mit den empfohlenen Werten und passen Sie anhand der Kalibrierhistorie an.
Was beeinflusst das Kalibrierintervall?
Vier Faktoren bestimmen, ob Sie häufiger oder seltener kalibrieren sollten
Nutzungshäufigkeit
Je häufiger ein Messgerät eingesetzt wird, desto schneller kann es driften. Geräte im Dauereinsatz sollten kürzere Intervalle haben als Geräte, die nur gelegentlich genutzt werden.
Umgebungsbedingungen
Extreme Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit, Staub oder Vibrationen beschleunigen den Verschleiß. Geräte in rauen Industrieumgebungen oder auf Baustellen benötigen kürzere Intervalle.
Genauigkeitsanforderungen
Je enger die geforderte Messtoleranz, desto häufiger sollte kalibriert werden. In der Qualitätssicherung oder bei sicherheitsrelevanten Messungen ist ein kürzeres Intervall sinnvoll.
Branchenvorschriften
Bestimmte Branchen schreiben feste Intervalle vor. In der Automobilindustrie, Medizintechnik oder Luftfahrt gelten oft strengere Anforderungen als die allgemeinen Empfehlungen.
Normen und Richtlinien
Verschiedene Regelwerke geben Empfehlungen und Anforderungen zur Festlegung von Kalibrierintervallen:
VDI/VDE/DGQ 2618
Die zentrale Richtlinienreihe für die Prüfmittelüberwachung in Deutschland. Sie beschreibt Verfahren zur Festlegung und Anpassung von Kalibrierintervallen und gibt gerätespezifische Empfehlungen für verschiedene Messmittelkategorien.
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
Schreibt vor, dass Arbeitsmittel – einschließlich Prüf- und Messmittel – in ordnungsgemäßem Zustand gehalten werden müssen. Für überwachungsbedürftige Anlagen gelten zusätzliche Prüfpflichten mit festgelegten Fristen.
DIN EN ISO 6789
Spezifisch für Drehmomentschlüssel: Definiert Prüfverfahren und empfiehlt eine Kalibrierung alle 12 Monate oder nach 5.000 Betätigungen – je nachdem, was zuerst eintritt.
DGUV Vorschrift 3
Für elektrische Prüfgeräte relevant: Geräte zur Prüfung elektrischer Anlagen müssen regelmäßig auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft werden. Eine aktuelle Kalibrierung stellt sicher, dass Prüfergebnisse belastbar sind.
Häufige Fragen zu Kalibrierintervallen
Was passiert, wenn ich das Kalibrierintervall überschreite?
Überschrittene Kalibrierintervalle bedeuten, dass Messergebnisse nicht mehr als rückverfolgbar gelten. In der Qualitätssicherung kann das zu Beanstandungen bei Audits führen. Bei sicherheitsrelevanten Messungen (z. B. Prüfungen nach DGUV Vorschrift 3) drohen im Schadensfall Haftungsprobleme. Zudem können bereits durchgeführte Messungen nachträglich angezweifelt werden.
Gibt es gesetzliche Vorgaben für Kalibrierintervalle?
Für die meisten Messgeräte gibt es keine festen gesetzlichen Vorgaben – die Verantwortung liegt beim Betreiber. Ausnahmen sind eichpflichtige Messgeräte (Eichgesetz) und Prüfmittel im Rahmen der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Branchenstandards wie VDI/VDE/DGQ 2618 und ISO-Normen geben Empfehlungen, die in der Praxis als Stand der Technik gelten.
Kann ich das Kalibrierintervall selbst festlegen?
Ja, der Betreiber legt das Kalibrierintervall eigenverantwortlich fest. Die Entscheidung sollte dokumentiert und nachvollziehbar sein. Grundlage ist eine Risikobetrachtung: Wie kritisch ist die Messung? Wie stabil ist das Gerät erfahrungsgemäß? Wurde bei der letzten Kalibrierung eine Drift festgestellt? Eine bewährte Methode ist, mit 12 Monaten zu starten und das Intervall anhand der Kalibrierhistorie anzupassen.
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