Werkskalibrierung vs. DAkkS – Unterschiede auf einen Blick
Welche Kalibrierung brauchen Sie wirklich? Ein praxisorientierter Ratgeber zu Kosten, Rückverfolgbarkeit und Audit-Akzeptanz – damit Sie die richtige Entscheidung treffen.
Werkskalibrierung anfragenWerkskalibrierung oder akkreditierte Kalibrierung?
Die Werkskalibrierung ist die in der Industrie am häufigsten eingesetzte Form der Kalibrierung. Sie bietet rückverfolgbare Messergebnisse zu fairen Kosten und wird von den meisten Qualitätsmanagementsystemen anerkannt. Dennoch herrscht bei vielen Unternehmen Unsicherheit: Reicht eine Werkskalibrierung aus, oder muss es eine akkreditierte DAkkS-Kalibrierung sein?
In Deutschland gibt es zwei grundlegende Formen der Kalibrierung: die Werkskalibrierung (auch Fabrik- oder Hauskalibrierung genannt) und die akkreditierte Kalibrierung durch ein von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) zugelassenes Labor. Beide liefern rückverfolgbare Ergebnisse – der Unterschied liegt in der Überwachung des Labors, im Dokumentationsumfang und letztlich in den Kosten.
Dieser Ratgeber erklärt die wesentlichen Unterschiede objektiv und hilft Ihnen einzuschätzen, welche Kalibrierung für Ihre Anwendung die richtige ist. Ergänzende Informationen finden Sie in unseren Ratgebern zu Kalibrierintervallen und Kalibrierkosten.
Vergleich: Werkskalibrierung vs. DAkkS-Kalibrierung
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
| Kriterium | Werkskalibrierung | DAkkS-Kalibrierung |
|---|---|---|
| Rückverfolgbarkeit | Ja – auf nationale Normale rückverfolgbar | Ja – auf nationale Normale rückverfolgbar |
| Normenbasis | ISO-Normen, VDI/VDE-Richtlinien, DIN-Normen | DIN EN ISO/IEC 17025 (Akkreditierungsnorm) |
| Kalibrierschein | Werkskalibrierzertifikat mit Messwerten und Referenznormalen | DAkkS-Kalibrierschein mit Akkreditierungssymbol |
| Laborüberwachung | Eigenverantwortlich nach anerkannten Verfahren | Regelmäßige Begutachtung durch die DAkkS |
| Kosten | Günstiger (ca. 30–50 % weniger) | Höher durch Akkreditierungsaufwand |
| Bearbeitungszeit | Kürzer (typisch 3–5 Werktage) | Länger (typisch 5–15 Werktage) |
| Anerkannt bei Audits | Ja – bei ISO 9001, internen Audits, den meisten Kundenaudits | Ja – zusätzlich bei behördlichen Prüfungen und Eichungen |
| Typischer Einsatz | Produktion, QS, Instandhaltung, Werksprüfungen | Eichpflichtige Geräte, behördliche Prüfungen, Referenznormale |
Wichtig: Beide Kalibrierarten liefern rückverfolgbare Ergebnisse. Der Hauptunterschied liegt in der externen Überwachung des Labors und dem daraus resultierenden Dokumentationsaufwand – nicht in der Qualität der Messung selbst.
Wann reicht eine Werkskalibrierung?
Die kurze Antwort: In den meisten Fällen. Schätzungsweise 80–90 % aller Unternehmen in Deutschland kommen mit einer Werkskalibrierung vollständig aus. Eine akkreditierte DAkkS-Kalibrierung ist nur dort erforderlich, wo gesetzliche Vorschriften oder spezifische Kundenvorgaben sie explizit verlangen.
Eine Werkskalibrierung ist die richtige Wahl, wenn Sie Messgeräte in folgenden Bereichen einsetzen:
ISO-9001-Qualitätsmanagementsysteme
Die ISO 9001 fordert rückverfolgbare Kalibrierung – aber nicht zwingend durch ein akkreditiertes Labor. Ein Werkskalibrierzertifikat mit dokumentierter Rückverfolgbarkeit erfüllt die Anforderung in der Regel vollständig.
Interne Qualitätssicherung
Für die betriebsinterne Prüfmittelüberwachung – etwa die regelmäßige Überprüfung von Messschiebern, Multimetern oder Drehmomentschlüsseln in der Produktion – ist eine Werkskalibrierung der Standard.
Produktionsüberwachung
Messgeräte, die in der laufenden Produktion zur Prozesssteuerung und Fertigungskontrolle eingesetzt werden, werden in der Praxis fast ausnahmslos werkskalibriert.
Werksprüfungen und Wareneingangskontrollen
Ob Maßprüfung, elektrische Prüfung oder Drehmomentprüfung: Für innerbetriebliche Prüfungen genügt eine Werkskalibrierung. Wichtig ist die Dokumentation im Prüfmittelmanagement.
Praxis-Tipp: Wenn Ihr Unternehmen nicht explizit von einer Behörde, einem Kunden oder einer Branchennorm zur akkreditierten Kalibrierung verpflichtet wird, ist die Werkskalibrierung die wirtschaftlich sinnvolle Wahl. Sie sparen Kosten und Bearbeitungszeit – ohne Abstriche bei der Rückverfolgbarkeit.
Wann brauchen Sie eine DAkkS-Kalibrierung?
In bestimmten Fällen ist eine akkreditierte Kalibrierung tatsächlich notwendig oder sogar gesetzlich vorgeschrieben. Typische Szenarien sind:
Eichpflichtige Messgeräte
Waagen im geschäftlichen Verkehr, Zapfsäulen oder Messgeräte im Rahmen des Eichgesetzes unterliegen besonderen Anforderungen, die über eine Werkskalibrierung hinausgehen.
Gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen
In bestimmten Bereichen – etwa der Medizintechnik, der Pharmabranche oder der Lebensmittelüberwachung – können Gesetze oder Verordnungen eine akkreditierte Kalibrierung explizit verlangen.
Behördliche Auflagen
Wenn Aufsichtsbehörden (z. B. Eichbehörden, Gewerbeaufsicht) für bestimmte Messgeräte einen akkreditierten Kalibrierschein verlangen, kommen Sie um eine DAkkS-Kalibrierung nicht herum.
Referenznormale für eigene Kalibrierlabore
Betreiben Sie selbst ein Kalibrierlabor, müssen Ihre Referenznormale in der Regel akkreditiert kalibriert werden, um die Rückverfolgbarkeitskette lückenlos nachzuweisen.
Ehrliche Einschätzung: inektra bietet keine DAkkS-Kalibrierungen an – wir sind ein Werkskalibrierungslabor. Sollten Sie für einzelne Geräte tatsächlich eine akkreditierte Kalibrierung benötigen, beraten wir Sie gerne ehrlich und empfehlen Ihnen einen passenden Dienstleister. Für alle übrigen Geräte übernehmen wir die Werkskalibrierung – zuverlässig, rückverfolgbar und zu fairen Preisen.
Werkskalibrierung bei inektra
In unserem eigenen Kalibrierlabor in Nordhorn führen wir Werkskalibrierungen für über 3.200 Gerätetypen durch – von Messschiebern und Multimetern über Drehmomentschlüssel bis hin zu Drucksensoren und Temperaturmessgeräten. Jede Kalibrierung erfolgt nach anerkannten ISO-Normen und VDI/VDE-Richtlinien.
Sie erhalten einen rückverfolgbaren Kalibrierschein mit vollständiger Dokumentation: Ist-Werte, Soll-Werte, Abweichungen, Messunsicherheit und Angabe der verwendeten Referenznormale. Damit sind Sie für ISO-9001-Audits und die interne Prüfmittelüberwachung bestens aufgestellt.
Weiterführende Informationen
Vertiefen Sie Ihr Wissen rund um Kalibrierung – oder beauftragen Sie direkt Ihre Werkskalibrierung:
Häufige Fragen: Werkskalibrierung vs. DAkkS
Ist eine Werkskalibrierung rückverfolgbar?
Ja. Eine Werkskalibrierung ist rückverfolgbar auf nationale Normale – genau wie eine DAkkS-Kalibrierung. Der Unterschied liegt nicht in der Rückverfolgbarkeit, sondern in der Überwachung des Kalibrierlabors: Bei einer DAkkS-Kalibrierung wird das Labor regelmäßig durch die Akkreditierungsstelle überprüft, bei einer Werkskalibrierung arbeitet das Labor eigenverantwortlich nach anerkannten Normen und Verfahren. In beiden Fällen erhalten Sie einen Kalibrierschein mit Angabe der verwendeten Referenznormale und der Messunsicherheit.
Wird eine Werkskalibrierung bei ISO-9001-Audits akzeptiert?
Ja, in den allermeisten Fällen. Die ISO 9001 fordert, dass Messmittel rückverfolgbar kalibriert werden – sie schreibt aber nicht vor, dass dies durch ein akkreditiertes Labor erfolgen muss. Entscheidend ist, dass die Kalibrierung dokumentiert, rückverfolgbar und nach anerkannten Verfahren durchgeführt wird. Werkskalibrierungen mit rückverfolgbarem Kalibrierschein erfüllen diese Anforderung. Nur in Ausnahmefällen – etwa bei expliziten Kundenvorgaben oder behördlichen Auflagen – kann eine DAkkS-Kalibrierung gefordert sein.
Was kostet eine Werkskalibrierung im Vergleich zur DAkkS?
Eine Werkskalibrierung ist in der Regel 30–50 % günstiger als eine vergleichbare DAkkS-Kalibrierung. Der Preisunterschied ergibt sich aus dem geringeren Dokumentationsaufwand und den niedrigeren Overhead-Kosten (keine Akkreditierungsgebühren, keine regelmäßigen Begutachtungen). Bei inektra starten Werkskalibrierungen je nach Gerätetyp ab etwa 15 € netto. Eine vollständige Preisübersicht finden Sie auf unserer Kalibrierkosten-Seite.
Kann ich von DAkkS auf Werkskalibrierung umsteigen?
Ja, in vielen Fällen ist das möglich und sinnvoll. Prüfen Sie zunächst, ob Ihre Branche, Ihr Kunde oder Ihre interne QM-Dokumentation explizit eine akkreditierte Kalibrierung vorschreibt. Falls nicht, können Sie auf Werkskalibrierung umsteigen und dabei erheblich Kosten sparen. Der Umstieg sollte in Ihrer Prüfmittelüberwachung dokumentiert werden. Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie ehrlich, ob eine Werkskalibrierung für Ihre Anwendung ausreicht.
Bietet inektra auch DAkkS-Kalibrierungen an?
Nein, inektra bietet ausschließlich Werkskalibrierungen an. Wir sind kein akkreditiertes Kalibrierlabor und erheben diesen Anspruch auch nicht. Unsere Werkskalibrierungen sind rückverfolgbar, normgerecht und für die große Mehrheit industrieller Anwendungen vollkommen ausreichend. Sollten Sie für bestimmte Geräte tatsächlich eine DAkkS-Kalibrierung benötigen, empfehlen wir Ihnen gerne einen geeigneten Dienstleister.
Werkskalibrierung beauftragen
Senden Sie uns Ihre Geräteliste – wir erstellen Ihnen ein transparentes Angebot mit konkreten Preisen und Bearbeitungszeiten.
Jetzt Angebot anfordern